
Den kleinen holistischen Bauernhof gibt es, weil wir ein anderes Tempo gewählt haben.
Hier leben wir, Johnny und Anja, zusammen mit unseren alten Landrasse Schafen, Ziegen und Hühnern. Weitere Tiere sind in Planung.
Es handelt sich nicht um ein Projekt oder eine Mission die wir haben, sondern um eine Form des Lebens, die für uns Sinn ergibt. Der Hof ist bewusst klein gehalten. Überschaubar. Lebendig. Etwas, was wir zwei gut hantieren können.
Wir arbeiten mit dem Land nach den Prinzipien des Holistischen Management.
Nicht als Methode zur Optimierung des Ertrags, sondern als Form des aufmerksamen Zuhörens und Betrachtens des Bodens, der Tiere, der Jahreszeiten und der eigenen Grenzen.
Entscheidungen entstehen langsam, werden an die Realität angepasst und es gilt immer das Motto:
“Always assume you are wrong”
(Gehe immer davon aus, dass du falsch liegst)
Bei uns sind die Tiere keine Einheiten. Sie sind Teil eines lebendigen Systems, das den Boden aufbaut und uns ernährt. Unser Ziel ist nicht Effizienz, sondern Robustheit und Gesundheit für die Tiere, für den Boden und für uns. Dieser Hof ist kein Rückzug aus der Welt. Er ist eine ehrlichere Art, an ihr teilzunehmen.
Manche Tage sind ruhig. Andere anstrengend. Die meisten sind unspektakulär im besten Sinne.
Wir versuchen nichts zu beweisen. Wir leben hier und übernehmen Verantwortung für das, wofür wir uns entschieden haben. Durch die Arbeit mit lebendigen, komplexen Systemen statt mit komplizierten Lösungen, entsteht mit der Zeit eine andere Art von Klarheit im Alltag.
Wenn Sie wissen möchten, was der Unterschied zwischen komplex und kompliziert ist, lesen Sie hier weiter.
Ich heisse Anja und bin ausgebildete Biologin, habe in diesem Beruf jedoch nie fest gearbeitet. Geboren und aufgewachsen bin ich in Deutschland, wo ich bis zu meinem 49. Lebensjahr gelebt habe.
Dort sind meine Familie und einige enge Freunde, die mir auch heute noch sehr wichtig sind.
Johnny und ich sind seit vielen Jahren ein Paar. Wir sind früher häufig gereist und haben viel Schönes erlebt. Doch mit der Zeit wurde uns klar, dass das nicht das Leben ist, das wir langfristig führen wollen. Eine wachsende Unzufriedenheit mit unserem Alltag ließ sich nicht mehr ignorieren.
2017 spitzte sich dieses Gefühl zu und wir wußten, es muss etwas passieren. Johnny wollte abnehmen und begann mit einer ketogenen Ernährung. Als meine Migräne-Anfälle immer stärker wurden, habe ich mich Johnny angeschlossen. Ich hatte nämlich gelesen, dass eine Reduktion von Kohlenhydraten helfen kann. Und tatsächlich ging es mir viel besser. Folglich haben wir unseren Fleischkonsum deutlich erhöht.
Dies brachte neue Fragen mit sich, insbesondere in Bezug auf Tierhaltung. Als junge Erwachsene hatte ich deswegen etwa 10 Jahre lang fast nur vegetarisch gegessen. Selbst bei der Bioware hatten wir unsere Zweifel.
Parallel dazu wuchs unsere Unzufriedenheit mit unseren beruflichen Tätigkeiten. Meine Arbeit als Umweltberaterin, Fachkraft für Arbeitssicherheit und QM-Auditorin lebte von der deutschen Bürokratie. Ständig gab es neue Regeln umzusetzen, deren Sinnhaftigkeit zu erklären mir oft schwer fiel.
Ich war als “Umweltberaterin” fast immer mit dem Auto unterwegs, stand oft im Stau und meine Kunden waren häufig nicht besonders froh mich zu sehen.
Wir hatten Geld gespart, ohne genau zu wissen, wofür. Was uns fehlte, war eine klare Richtung. Der Wendepunkt kam eher zufällig, als wir einen eindrucksvollen TED-Talk von Allan Savory, dem Gründer des holistischen Managements, gesehen haben. Als Kurse im holistischen Management in Deutschland angeboten wurden, waren wir neugierig und haben uns angemeldet. Die Herangehensweise, die uns gezeigt wurde, machte Sinn.
Die Gedanken, was wir wirklich im Leben wollen gärten in uns. Wir haben mehrere Jahre nach etwas Passendem gesucht. Dann fanden wir unseren kleinen Hof und haben den Schritt gewagt. Ich habe meinen Job gekündigt und bin im April 2021 nach Dänemark gezogen.
Ich habe diese Entscheidung nie bereut. Nicht alles ist leicht, aber es fühlt sich gut an mein eigenes Leben zu leben und nicht nur eine Rolle auszufüllen. Und auch wenn der Weg nicht geradlinig ist, glaube ich, dass wir uns unserem Ziel im holistischen Management nähern, nicht ein Teil des Problems sondern ein Teil der Lösung zu sein.


Moin, ich heiße Johnny. Alles, was ich kann, habe ich mir selbst beigebracht. Ich habe mir das Programmieren, das Denken in Systemen und den Umgang mit komplexen Problemen autodidaktisch angeeignet, durch Tun, Scheitern und das Übernehmen von Verantwortung, wenn auch nicht immer. Das hat mein Verhältnis zu Autorität, Wissen und Verantwortung grundlegend geprägt.
Viele Jahre habe ich mit Systemen gearbeitet, die reibungslos funktionieren sollten. Mit der Zeit wurde mir klar, dass diese Systeme auch Menschen formen, oft stärker, als ihnen bewusst ist.
Ich bin grundsätzlich skeptisch gegenüber Standardlösungen, Genehmigungen und Erzählungen, die Sinn von außen versprechen. Nicht, weil ich dagegen bin, sondern weil ich Wahlfreiheit gegenüber Gehorsam und Verantwortung gegenüber Regeln bevorzuge.
Ich glaube nicht an den einen richtigen Weg, und ich habe kein Interesse daran, anderen einen vorzugeben. Mich interessiert der Moment, in dem jemand aufhört, aus Routine zu gehorchen, und beginnt, bewusster zu leben, ohne daraus ein Projekt oder eine Identität machen zu müssen.
